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Pfarrei Müswangen

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Ein Brauch seit mehr als 50 Jahren

Über 25 Länder in Europa, dazu die USA und Staaten der ehemaligen Sowjetunion, beteiligen sich am Friedenslicht, das jedes Jahr von der Geburtsgrotte in Bethlehem ausgeht. Die Pfarrei Hitzkirch pflegt ein eigenes Friedenslicht / Adventslicht, das am 2. Dezember 1956, am 1. Adventssonntag, seinen Anfang nahm und immer noch Bestand hat. Die Pfarrei Müswangen kennt es seit 1993.
Das Jahr 1956 bescherte den damaligen Jungwachtführer unvergessliche Tage im Sommerlager in Laax. Intensiv beschäftigten sie sich damals auch mit dem Weltgeschehen. Im Juni wurde eine offene Revolte niedergeschlagen, die aus dem Generalstreik im polnischen Posen hervorging. Mit allen Mitteln unterdrückten die Regierungen der Tschechoslowakei, Ungarns und der DDR die Opposition. Am 21. Oktober 1956 brach in Ungarn ein Volksaufstand aus. Er wurde am 4. November durch russische Panzer brutal zerschlagen. 3000 Ungaren bezahlten den Kampf für die Freiheit mit ihrem Leben. Und 200 000 Menschen flüchteten über Österreich in den Westen. Auch zu uns. Hautnah erlebten wir im Seetal, was eine Welt ohne. Frieden auslösen kann.
Gleichzeitig kämpften Franzosen und Engländer um den Suezkanal. Die Israeli hatten kurz zuvor Ägypten angegriffen. Die USA und die Sowjetunion drohten mit Atomwaffen. Überall, so glaubten die Jungwachtführer, würde der Friede mit Füssen getreten.
Ein Gedenk-, Gebets - Nacht- marsch des Schweizer Jungwachtbundes zum Hl. Niklaus in den Ranft gab ihnen Gelegenheit, für eine bessere Welt zu beten. Sie wollten mehr tun und brachten eine Idee zum Pfarrer: Die ganze Pfarrei sollte für den Frieden beten. Die Jungwächter wollten das Licht vom Kirchen-Adventskranz jeden Advents- sonntag auf die Adventskränze der Pfarreiangehörigen überbringen, und sie um das Gebet für den Frieden zu bitten.
Alles verlief gut: Der Pfarrer willigte ein, das Basteln der Laternen ging rasch voran und die Buben waren sofort bereit, Hand zu einer guten Tat zu bieten. So trugen die Jungwächter das Licht in dunkler Nacht in ihre Dörfer, wo es die Einwohner herzlich begrüssten.
Der Brauch ist 2006 bereits 50 Jahre alt geworden. Jahr für Jahr haben Jungwächter, Schülerinnen und Schüler die Idee weitergetragen. Seelsorger, Leiterinnen von Blauring und Jungwacht sowie Lehrerinnen und Lehrer haben hinter den Kulissen den Brauch bereichert, ihn mit Änderungen bestückt, Faltblätter entworfen, um Gruppen, Gemeinschaften und Einzelnen, besonders aber den Familien das Gebetsanliegen näher zu bringen. Spezielle Themen vertieften die Idee des Friedens- / Adventslichtes. Anregungen zu Laternen, Puzzles, Bastelbögen und Fensterbildern begleiteten im Verlaufe der Zeit die Aktion. «Friedensspiele ohne Verlierer» fanden das Interesse der Kinder. Im Religionsunterricht erfuhren die Schülerinnen, dass der Friede ein Geschenk ist, um das jeden Tag gerungen werden muss.
Der kürzlich pensionierte Hitzkircher Sakristan hütete viele Jahre das Bethlehem-Licht, das in der Pfarrkirche jahrelang ungelöscht als ewiges Licht brannte. Ja, in Ermensee hätte man auf ein Ersatzlicht zurückgreifen können. So haben die Angehörigen der Pfarrei Hitzkirch über Jahre das Friedenslicht aus dem Nahen Osten in ihren Stuben brennen sehen.
Auch Müswangen hat die Idee des Friedenslichtes aufgenommen. Seit 1993 tragen es hoch auf dem Lindenberg Ministrantinnen und Ministranten während vier Sonntagen aus. Möge der Glaube an eine bessere Welt ungebrochen weiterleben.

"Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden." (Matthäus 5,9)
Friedensgebet: Gott, hilf mir Friedenstifter, -stifterin zu sein, daheim und in der Welt. Amen.