Friedenskapelle

Kapelle Maria Friedenskönigin in Hämikon / Pfarrei Hitzkirch
Sie wurde zu Ehren der Gottesmutter Maria und zur Erinnerung an den immerwährenden Schutz der Friedenskönigin über die Pfarrei Hitzkirch im Jahre 1950 von den katholischen Hämikerinnen und Hämikern erbaut. Bis 1956 gehörte Müswangen auch zur Pfarrei Hitzkirch.
1949-50 aus Dankbarkeit von Hämiker Bürgern erbaut – auf Initiative von Pfarrer F.X. Stadelmann, weil das „Gebiet der Pfarrei Hitzkirch vor den bösen Folgen des Krieges und vor dem Bolschewismus bewahrt und kein Wehrmann der Pfarrei während des 2. Weltkrieges sterben musste und wieder alle unverdorben an die Arbeit zurückkehren konnten.“
Der Bau des Bergkirchleins wurde finanziert durch Spenden, Fronarbeit und Abgaben bei Friedensrichterangelegenheiten. Der Standort wurde gewählt in der Nähe des alten „Helgenstöcklis“, welches der neuen Kantonsstrasse weichen musste.

Friedenskapelle Hämikon Broschüre 2009  Friedenskapelle Haemikon Broschuere 09 online standard
Hämikon Geschichte bis 1999 haemikongeschichtebis1999

 

 Ohne Erinnerung keine Zukunft!

Was wäre unser Leben ohne Erinnerung? Ohne Geburtstag, den ersten Schultag, die erste Liebe, die Hochzeit, die Geburt des ersten Kindes, der Todestag eines lieben Menschen und vieles andere.
Jede Kirche und Kapelle ist ebenfalls eine Erinnerung: an Gott, den Schöpfer des Universums. Dazu erinnert sie uns an seinen Sohn und seine Mutter Maria.
Ganz besonders erinnert uns die Kapelle Hämikon an die Bewahrung vor den bösen Folgen des 2. Weltkrieges. Sowie an das Opfer der Mann­schaft, welche den brennenden Bomber an den Häusern Hämikons vorbeilenkte, soweit das noch möglich gewesen war. Sie soll uns aber nicht nur an die Bewahrung der Pfarrei erinnern, sondern daran, was der Krieg alles be­wirkt, die Millionen von Toten – und uns davon abhalten, Dinge zu tun, die zu Krieg führen oder ihn unterstützen.
Ohne Erinnerung keine Zukunft – wenn wir die Geschichte vergessen, die eigene, die unseres Landes, die unserer Kirche, werden wir immer wieder in die gleichen Fallen und Probleme „hineinrasseln“. Erin­nern wir uns jedoch an das, wo wir gestolpert sind oder verletzt wurden, so tun wir andere Schritte in der Gegenwart und Zukunft.
Erinnern wir uns an Jesus und Maria, so gestalten wir unser Leben anders als ohne diese Erinnerung.
Die Friedenskapelle ist bewusst schlicht und einfach gestaltet. Sie will uns direkt hinweisen auf Maria, die Friedenskönigin und auf Bruder Klaus, den Friedensstifter. Tabernakel und das ewige Licht weisen uns auf Jesus Christus, der uns „Weg, Wahrheit und Leben“ sein möchte.
Zum Erinnern benötigen wir Rastplätze für unsere Seele, um religiös aufzutanken, beheimatet und geborgen zu sein.
Die Friedenskapelle ist ein solcher Rastplatz, um zusammen oder alleine zu feiern, zu danken und zu bitten, die Nähe Gottes zu spüren, neue Wege zu erkennen, und das christliche Gedankengut auch in die Tat umzusetzen, vielleicht etwas im Leben zu korrigieren. Sie ist auch Ort des Sterbegebetes und Rosenkranzes.
Rasten und Erinnern gibt Kraft, unterwegs zu sein und immer wieder neu aufzubrechen, Suchende und Fragende zu bleiben, Ausschau zu halten nach neuen Zielen, niemals „hocken“ zu bleiben.
Die kleine Broschüre möchte Ihnen einige Hinweise geben zur Geschichte und zur Ausstattung. Das Verweilen, das Betrachten und das „Wirken-Lassen“ muss jede und jeder selber „tun“. Es lohnt sich, sich dafür Zeit zu nehmen. Maria, die Königin des Friedens wird Ihnen nahe sein.
Hämikon, den 1. August 2005 Paul Hornstein-Schnider

Der Name
Wegen ihrer innigen und starken Verbindung mit ihrem Sohn, dem „Fürsten des Friedens“ (Jes 9,5) wurde Maria im Laufe der Zeit immer mehr als „Königin des Friedens“ verehrt.
Mit der Darstellung von Maria als „Königin des Friedens“, kommt jedoch ganz besonders die Friedensehnsucht in der damals so schweren Zeit zum Ausdruck. Der Künstler Beat Gasser hat ein Werk geschaffen, dessen Sinn und Bedeutung weit über diese Zeit des 2. Weltkrieges hinausreicht. Sie soll uns auch in der heutigen Zeit Mahnung und Verpflichtung sein, ak­tiv für den Frieden einzutreten – und zugleich die Erin­nerung an die Millionen gefallener und vermisster Soldaten wach halten und an die unzähligen Opfer des 2. Weltkrieges und der Judenvernichtung (Holocaust) erinnern, damit nicht wieder Gleiches geschehen wird.



Die Ausstattung der Friedenskapelle

Maria Friedenskönigin
Die Marienstatue (Regina pacis = Friedenskönigin) und die Bruder Klausenstatue wurden vom Holzschnitzer Beat Gasser aus Lungern geschaffen. Der Altar befand sich früher unter der Muttergottesstatue. „Die besondere Gnade wird der Friede in jeder Form sein: der Familienfriede, der Friede unter Nachbarn, der Friede in Dörfern und Gemeinden, aber auch besonders Friede in den Seelen.“ (Pfarrer F.X. Stadelmann)
Die Bruderklausenstatue
Sie wurde 1950 zusammen mit der Marienstatue für die Kapelle geschnitzt, drei Jahre nachdem Niklaus von Flüe, der grosse Friedensstifter und Patron der Schweiz heilig gesprochen wurde. (hinten in der Kapelle)

Die Kreuzwegstationen
1961 ergänzte der gleiche Künstler die Kapelle mit den schönen Kreuzwegstationen.
Die Reliefbilder vorne links und rechts
Madonna mit einem diagonal liegenden, kraftvoll sich regenden Kind, Ende 15. Jahrhundert. St. Sebastian mit Pfeilen im Körper. Neben dem Tabernakel: St. Katha­rina mit geflochtenem, am Kopf aufgesteckten Zöpfen und dem Rad. Diese Reliefbilder standen in einem „Helgenstöckli“ vis à vis des Schulhauses. 1959 musste es dem Bau der neuen Strasse weichen.


Die Reliefbilder vorne links und rechts
Madonna mit einem diagonal liegenden, kraftvoll sich regenden Kind, Ende 15. Jahrhundert. St. Sebastian mit Pfeilen im Körper. Neben dem Tabernakel: St. Katharina mit geflochtenem, am Kopf aufgesteckten Zöpfen und dem Rad. Diese Reliefbilder standen in einem „Helgenstöckli“ vis à vis des Schulhauses. 1959 musste es dem Bau der neuen Strasse weichen.

Der Tabernakel
Ist ein lebendiges Zeichen der Gegenwart Christi unter den Menschen; Erinnerung an das Zelt Gottes, in dem Jahwe (Gott) beim Volk Israel wohnte. Er war früher auf dem Altar.
Das ewige Licht
Brennt dauernd in allen Gotteshäusern, in denen das eucharistische (heilige) Brot im Tabernakel aufbewahrt wird. Es sagt uns, dass Christus immer unter uns lebt und uns durch das Leben begleitet.

Die vollektronische Orgel
Wurde 1975 gekauft und erfüllt bis heute – mit gelegentlichen Aussetzern – ihren Dienst.
Weihwasserbecken an den hintersten Bänken
Weihwasser ist Erinnerung an die Taufe. Wenn wir uns beim Verlassen der Kapelle mit Weihwasser bekreuzen, drücken wir unsere Gemeinschaft mit Gott und den Getauften aus. Wir tragen den Segen und den Auftrag Jesu hinaus in die Welt.

Der Opferkerzenständer
Wurde der Kapellenstiftung im Jahre 1996 gespendet und ist sehr beliebt.
Die Glocken
Die Kapelle hat eine Marien- und eine Bruderklausenglocke. Sie sind gegossen von der Glockengiesserei Rüetschi, Aarau. Die grosse Marien-Glocke trägt die Inschrift: Glorreiche Friedenskönigin beschützte Berg und Tal. Paten waren Louise Moser-Brügger und Johann Wildisen-Weber. Die kleinere Bruder-Klausenglocke trägt die Aufschrift: Heiliger Niklaus, Patron der Schweiz bitte für uns. Paten waren: Sophie Arnet-Weibel und Leo Koch-Jung. Beide Glocken wurden bis 1974 von Hand geläutet. Dann wurde ein elektrisches Läutwerk eingebaut und im Jahre 2000 eine vollautomatische Steuerung mit eingebauter Funkuhr. Die Glocken läuten um 6.00, 12.00 und 20.00 Uhr (Winterzeit 19.00).
Die Kirchenfahne
mit dem Bild Maria Friedenskönigin dient bei Prozessionen, besonders an Fronleichnam in Hitzkirch. Sie ersetzte im Jahre 2000 die alte defekte Fahne.
Gedenktafel an den Bomberabsturz in Hämikon
Am 28.4.1944 stürzte ein angeschossener Bomber der englischen Luftwaffe nahe dem bewohnten Gemeindege­biet ab. Sechs Besatzungsmitglieder opferten ihr Leben, damit sie nicht auf die Häuser stürzten.

 

Zur Geschichte der Friedenskapelle

Abgaben für die Kapelle bei Streitigkeiten
Die Hämiker wussten seit längerer Zeit, dass hierzu­lande fast alle Dörfer eine Kapelle oder Kirche hatten und sie hätten auch gerne ihr eigenes Gotteshaus gehabt wie die meisten Dörfer der grossen Pfarrei Hitzkirch. Deshalb hatten sie einen Fonds angelegt, um bei einem eventuellen Baubeginn über einen Grundstock an Geld zu verfügen. So mussten schon nach 1930 bei Friedensrichterangelegenheiten von den Streitenden jeweils ein grösserer Betrag in diesen Fond einbezahlt werden.

Gelübde der Seelsorgegeistlichen von Hitzkirch
„Wenn der liebe Gott die Schweiz vor dem Kriege und vor dem Bolschewismus (Kommunismus) bewahrt, wenn insbesondere das Gebiet unserer Pfarrei vor den bösen Folgen des Krieges, wie Krankheiten und wirt­schaftlichen Schäden bewahrt bleibt, wenn kein Wehrmann unserer Pfarrei infolge des Militärdienstes sterben muss, sondern alle gesund und unverdorben wieder zu ihrer Arbeit zurückkehren können: wird die Pfarrei Hitzkirch sofort nach dem Krieg in Hämikon eine Messkapelle bauen zu Ehren der Gottesmutter, der Königin des Friedens „zum immer währenden Andenken an den Schutz der Friedenskönigin über die Pfarrei Hitzkirch“.
Hitzkirch, den 10. Dezember 1939 F.X. Stadelmann, Pfarrer und A. Hofstetter, Kaplan

Errichtung einer kirchlichen Kapellenstiftung
Am 13. Januar 1946 wurde durch die Versammlung der Einwohnergemeinde Hämikon eine Stiftung errichtet. Ihr Zweck ist der „Bau und der Unterhalt eines dem römisch katholischen Kultus dienenden Gottesdienstraumes.“
L. Koch, Präsident, Josef Felber und Josef Felder, Stimmenzähler, O. Hochstrasser, Sekretär
Gründung eines Aktionskomitees
Am 7. Februar 1947 wurde ein Aktionskomitee gegründet und der Standort der Kapelle beschlossen. Am 21. Dezember fand die Stifterversammlung statt, die Stiftungsurkunde wurde genehmigt, die Wahl des Stiftungsrates vorgenommen: Franz Xaver Stadelmann, Pfarrer Hitzkirch. Johann Wildisen-Weber, Kirchenrat, Kassier. Leo Koch-Jung, Gemeindepräsident. Xaver Arnet-Weibel, Gemeindeammann. Vinzenz Lang-Eggstein, Verwalter. Otto Hochstrasser, Gemeinde-Schreiber, Aktuar. Albert Hodel-Koch, Lehrer, Hämikon.
Landkauf und Architektenwahl
Im Jahre 1948 wurde der Bauplatz vom damaligen Bäcker Josef Felber-Wüst erworben. Als Architekt wurde Herr Becker aus Hochdorf gewählt, und mit der Aufgabe betraut, eine Kapelle für 130 bis 140 Personen zu planen und in Stein auszuführen.

Der Spatenstich
erfolgte am Pfingstmontag 8. Juni 1949 ausgeführt. Viele Leute unterstützten den Bau auch mit Fronarbeit.
Die Glocken- und Kapellenweihe
Die Glockenweihe erfolgte am Pfingstmontag, 29. Mai 1950 durch Dekan Estermann. Geweiht wurde die Kapelle durch den Ehrenbürger von Hämikon Bischof Dr. Hilarin Felder am 20. Juli 1950. Die Festpredigt hielt sein Neffe, ein echter Hämiker Pater Hartmann Felder aus dem Kapuzinerkloster Sursee.
Mit der Kapellenweihe bewarben sich die Hämiker in Hitzkirch um eine eigene Kilbi. Leider wurde diesem Wunsch nicht entsprochen, so dass sie bis heute darauf verzichten müssen.

Die sanfte Innen- und Aussenrenovation
Neugestaltung des Kapellenvorplatzes im Jahre 1989. Am 15. August 2000 erfolgreicher Abschluss der sanften Renovation. Zugleich wird das Jubiläum 50 Jahre Kapelle Hämikon gefeiert.
2004 kam eine Delegation von The Royal Air Force over Switzerland 1940-1945 zu einer Gedenkfeier für die Verunglückten des abgestürzten Lancaster Bombers am 28. April 1944. Sie errichteten eine Gedenktafel und legten einen Kranz nieder.
2010 feierten die Hämiker 60 Jahre Friedenskapelle.
2013 im September kam wiederum eine Delegation aus England und aus Kanada zur vorgezogenen 70 Jahr Gedenkfeier des Bomberabsturzes im Chellenrank zwischen Hämikon und Müswangen.

Kapellenstiftung (Stand 2013)
Die Kapelle Hämikon ist Eigentum der Kapellenstiftung und wird vom Stiftungsrat verwaltet und unterhalten.
Präsidentin: Claudia Ziegler-Fessler.
Aktuar: Hans Wildisen
Kassierin: Claudia Bucher-Leisibach.
Pfarreileiter Hitzkirch: Stefan Schmitz-Güttinger.

Sakristane seit 1950
Hans Fessler bis zu seinem Tod im Oktober 1977; Anna Fessler seit 1977 bis 1986; Hilda und Alfred Haas seit Juni 1986.
Vor der Renovation wurde eine Wasserleitung in die Kapelle gelegt. Bis dahin mussten die Sakristane immer Wasser von zu Hause hertragen. 2007 wurde eine Sickerleitung rund um die Kapelle gebaut, um Feuchtigkeit in Wänden und Holzboden zu vermindern.
2010 ist ein Teil des Holzbodens erneuert worden.

 

Gebet zur Friedenskönigin
O Mutter der Barmherzigkeit, erflehe du uns von Gott den Frieden! Und vor allem jene Gnaden, die in einem Augenblick die menschlichen Herzen umwandeln kön­nen, jene Gnaden, die den Frieden vorbereiten, schließen und sichern! Königin des Friedens, bitte für uns und gib der streitenden Welt den Frieden, den die Völker ersehnen, den Frieden in der Wahrheit, in der Gerechtigkeit und in der Liebe Christi! Gib ihr den Frieden der Waffen und den Frieden der Seelen, damit Gottes Reich sich in der Ruhe der Ordnung ausbreite. (Papst Pius XII)

„Unser Haus ist das Deine, Königin des Friedens,“
Diese Worte schrieb Edith Stein 1938 kurz vor dem 2. Weltkrieg. Sie bezog sich dabei auf ihr Kloster in Köln. Könnte dieses Wort nicht auch auf unsere Häuser in Hä­mikon übertragen werden?

Weiteres Gebet
Maria, du Friedenskönigin, du blickst nicht untätig auf die Gedanken und Taten der Menschen, du bist aktiv in Kirche und Welt gegenwärtig, um auch die Herzen der Widerspenstigsten der Vergebung und dem Frieden zu öffnen. Du erinnerst uns mit deiner diskreten Anwesenheit daran, dass es keinen wahren Frieden geben kann, wo keine wahre Vergebung ist, wo Menschen sich nicht mit sich selbst, mit Gott und mit dem Nächsten versöhnen. Wir bitten dich, hilf allen Glaubenden und allen Menschen guten Willens, sich im Gebet zu verbinden, und Gott um die Gabe der Versöhnung und des Friedens anzurufen.
Maria, du Friedenskönigin begleite und stütze uns, damit die Hoffnung auf ein besseres Leben für alle Menschen wahr wird.
Fürchten wir uns nicht!
Es ist ein schwerer und harter Weg, der uns erwartet! Fürchten wir uns nicht, der Herr lebt wirklich und weilt mitten unter uns! Die Furcht quält die Hoffnung und verdunkelt die Zukunft. Wir bitten um die besten Segnungen für den Frieden und das Wohlergehen für alle Menschen und stellen uns unter den Blick und mütterlichen Schutz der Heiligen Maria, der Friedenskönigin, die immer an unserer Seite gewesen ist. Dich, o Friedenskönigin, bitten wir, uns zu helfen, mit der Kraft der Wahrheit und der Liebe auf die neuen und erschütternden Herausforderungen der Gegenwart zu reagieren. Hilf uns, auch diese schweren Stunden zu überwinden, welche die Ruhe und den Frieden so vieler Menschen erschüttern, und hilf uns, dass wir uns ohne Zögern beim Aufbau einer wahren Friedenskultur jeden Tag und überall einsetzen. (Johannes Paul II.)

Der schlichte Raum lädt zum Jung und Alt, werktags, an Sonn- und Feiertagen zum Beten ein….